Erfahrungsbericht von Sarah (20 Jahre alt),
Frau im freiwilligen sozialen Jahr

 

Ich habe im Schuljahr 2003/04 mein freiwilliges soziales Jahr in der Rheinischen Schule für Körperbehinderte in Düsseldorf geleistet und die Arbeit hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Eigentlich wollte ich gar nicht mit Behinderten arbeiten, aber sämtliche Ängste und Befürchtungen, ich könnte mit der psychischen Belastung nicht zurecht kommen, stellten sich schnell als unbegründet dar. Ich war die meiste Zeit in einer ersten Klasse tätig, half aber auch in einer dritten Klasse aus.
Mein Tag begann morgens um 7.30 Uhr, indem ich den Geschirrwagen auf die Etage holte und ihn ausräumte. Anschließend fuhr ich runter in die Eingangshalle, denn ab 7.30 Uhr wurden bereits die ersten Kinder von den Busfahrern gebracht. Gemeinsam mit den anderen Praktikantinnen von meiner Etage brachten wir die Kinder zu ihren Klassen und halfen beim Jacke ausziehen und Frühstück in den Essraum bringen. Während den Unterrichtszeiten half ich mit und betreute entweder die Schwerstbehinderten oder rechnete und schrieb mit den anderen Kindern. Des Weiteren half ich bei der Nahrungsaufnahme (Frühstück + Mittagessen) und bei Toilettengängen. Die meisten Schülerinnen und Schüler mussten zweimal am Tag versorgt werden. Ich ging auch mit in den Sportunterricht und half bei der Schwimmstunde, denn viele Schülerinnen und Schüler brauchten Hilfe beim Aus- und Anziehen der Kleidung und im Wasser selber. Einmal in der Woche ging ich mit in den Wahrnehmungsraum, wo die Schwerstbehinderten mit Licht, Musik und Bewegung in ihrer Wahrnehmung und Mobilität intensiv gefördert wurden.
Natürlich war die Arbeit auch anstrengend, aber die Kinder belohnten mich jeden Tag aufs neue für meine Mühen. Es war schön zu wissen, dass man für die Kinder ein bisschen mehr war, als nur Krankenschwester oder Lehrkraft. Im Laufe eines Jahres entwickelten sich schnell Freundschaften, die auch sehr wichtig waren für die Schülerinnen und Schüler, denn nicht selten hatte ich einfach mehr Zeit mich mit einer Schülerin oder einem Schüler intensiver zu beschäftigen als die Lehrer.
Ich war wirklich sehr glücklich mit dieser Arbeit, dazu trug nicht zuletzt das freundliche, offene Arbeitsklima unter den Lehrkräften, Therapeuten, Krankenschwestern und Zivis`s bei. Auch unter den Kindern stellte man schnell herausragende Persönlichkeiten fest, die für mich einfach bewundernswert waren, weil sie mit ihrer Behinderung ganz toll umgehen konnten.
Ich wünsche so eine Erfahrung, wie ich sie dieses Jahr in der Schule für Körperbehinderte machte, jedem. Nicht unbedingt nur, wenn man in einen sozialen Beruf oder einem sozialen Studium einsteigen will. Ich zum Beispiel möchte auf gar keinen Fall später mal etwas Soziales machen, und dennoch nahm ich aus dem "Freiwilligen Sozialen Jahr" viel für meine berufliche Zukunft mit: Verantwortung übernehmen, Toleranz und Teamarbeit und nicht zuletzt viel ,viel Geduld. Diese Attribute konnte ich für mich als Erfahrungen verbuchen.